Kann Ihr Pferd noch kraftvoll abbeißen?

Leider erkranken manche Pferde an einer meist zu spät erkannten Veränderung der Schneidezähne, die EOTRH. Diese Abkürzung steht für Equine Odontoclasic Tooth - Resorption and Hypercementosis. Das bedeutet zahnauflösende Prozesse mit Zahnresorption im Wurzelbereich und Anheftung von Zahnzement.

Aus noch ungeklärter Ursache kommt es zu einer verstärkten Aktivität der Odontoklasten, das sind Zellen, die Zahnsubstanz abbauen können. Als Reparaturmechanismus versucht der Körper die geschädigten Zahnbereiche zu stabilisieren und lagert in zunehmender Dicke Zahnzement um die Wurzel ab.
Da der Prozess unter dem Zahnfleischnivau abläuft und der sichtbare Zahnbereich noch gesund erscheint wird er oft sehr spät diagnostiziert.

 

Erste Anzeichen der EOTRH können sein:

  • Probleme beim Abbeißen von hartem Brot oder Möhren
  • Trinken von kaltem Wasser ist unangenehm
  • kleine Eiterbläschen oder auch nur kleine rote Punkte im Zahnfleisch
  • verdicktes wulstiges rotes Zahnfleisch, Zahnfleischrückgang
  • vermehrte Zahnsteinbildung

Im fortgeschrittenen Stadium lassen sich die Pferde aufgrund der Schmerzhaftigkeit nur sehr ungern am Maul anfassen. Desweiteren werden die Schneidezähne zunehmend locker und es setzt sich oft Futter zwischen die Zähne, was zu üblem Mundgeruch führt.
Ist die Erkrankung schon fortgeschritten, hilft leider nur die Entfernung der kranken Zähne um die Schmerzen zu beseitigen. Da die Erkrankung oft alle Schneidezähne und Eckzähne betrifft, kann es sein, dass alle Schneidezähne gezogen werden müssen!


Das ist natürlich ein großer Schock für manchen Besitzer aber es hat sich gezeigt, dass sich die erkrankten Pferde nach der Totalextraktion aller Schneidezähne schnell erholen und sogar bald wieder Gras abzupfen! Glücklicherweise lassen sich dank guter Beruhigungsmittel und örtlicher Betäubung fast alle Zahnoperationen, wie auch die Extraktion aller Schneidezähne, am stehenden Pferd durchführen. Eine Narkose ist somit in der Regel nicht mehr erforderlich, was das Risiko dieser Eingriffe deutlich reduziert.
Da die Ursache der Erkrankung noch nicht bekannt ist, ist eine Behandlung schwierig. Bei ersten Anzeichen sollten Röntgenbilder angefertigt werden um eine sichere Diagnose zu ermöglichen. Die Zufütterung von speziellen Piltextrakten mit Vitamin D scheint den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.